Bräuche & Etikette

Traditionen, Knigge, Geldgeschenke und was üblich ist.

Bräuche und Etikette beantworten zwei verschiedene Fragen, und es hilft, sie auseinanderzuhalten. Ein Brauch ist ein Angebot: Baumstammsägen, Polterabend, Brautstraußwurf — niemand muss, und eine Feier ohne sie ist keine unvollständige Feier. Etikette ist das Gegenteil, nämlich eine Erwartung: Wer eingeladen wird, soll antworten; wer zusagt, soll erscheinen; wer als Gast kommt, trägt nicht Weiß. Die eine Hälfte dieser Rubrik richtet sich damit an das Paar, die andere an die Gäste.

Die meistgestellte Frage ist keine von beiden, sondern eine Geldfrage: Wie viel schenkt man? Darauf gibt es keine bundesweite Zahl, sondern eine Spanne, die sich nach Verhältnis zum Paar, Alter und Lebenssituation richtet — und die verlässlichste Auskunft kommt aus dem eigenen Kreis, weil ein einheitliches Bild unter Geschwistern oder Kolleginnen mehr wert ist als jede Tabelle.

Was viele überrascht: Ein erheblicher Teil dessen, was hierzulande als „die Tradition“ gilt, ist regional. Der Polterabend ist im Norden und Westen selbstverständlich und anderswo unbekannt; die Brautentführung wird in manchen Gegenden erwartet und in anderen als Störung empfunden. Wer Gäste aus mehreren Regionen einlädt, plant deshalb nicht gegen eine Norm, sondern gegen unterschiedliche Erwartungen — und der einzige Weg dahin ist, sie früh auszusprechen.

Für Gäste laufen die häufigsten Unsicherheiten auf drei Punkte hinaus: die Kleidung, die Rückmeldung und die Fotos. Alle drei sind schnell entschieden, wenn man weiß, worauf sie zielen — die Kleidung auf den Anlass, die Rückmeldung auf die Planungssicherheit des Paares, die Fotos auf dessen Privatsphäre. Und für alles, was hier steht, gilt derselbe Satz: Ein Brauch, der sich für Ihre Feier falsch anfühlt, gehört nicht dazu. Die Frage ist nie, was üblich ist, sondern was zu Ihnen passt.

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