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Ob die Sterne zu einem Hochzeitsdatum passen, ist eine Glaubensfrage. Dieser Text beantwortet sie nicht und stellt keine Behauptungen über Sternzeichen auf. Er zeigt, warum so viele Paare danach fragen, welche Datumsbräuche es tatsächlich gibt und woran ein Termin am Ende wirklich hängt.
Die Frage taucht in fast jeder Planung einmal auf, meistens beiläufig: ob der Termin astrologisch günstig liegt, ob ein Löwe im August heiraten sollte, ob man dem Mond etwas schuldet. Wer sie stellt, meint selten Astronomie. Gemeint ist das Gefühl, eine sehr große Entscheidung ohne Probelauf zu treffen.
Wir behandeln das hier so, wie es ehrlich geht: Bräuche werden beschrieben, nicht bewertet; Wirkungen behaupten wir keine. Verwertbar bleibt trotzdem eine Menge. Datumsbräuche sind alt, sie sind gut dokumentiert und sie haben handfeste Folgen dafür, welche Wochenenden noch frei sind und welche längst vergeben.
Warum die Frage so oft gestellt wird
Eine Hochzeit ist eine der wenigen Entscheidungen, die man ohne Probelauf trifft und nicht folgenlos zurücknehmen kann. An solchen Schwellen greifen Menschen seit jeher nach Zeichen: ein Datum, das passt, ein Gegenstand, der Glück bringen soll. Das ist keine Marotte einzelner Paare, sondern die Grundausstattung fast jeder Hochzeit, die Ihr je besucht habt. Reis vor der Kirche, etwas Blaues im Brautkleid, zerschlagenes Porzellan am Vorabend — niemand behauptet dabei eine Wirkung. Mitgemacht wird es trotzdem von fast allen.
Die Frage nach dem Sternzeichen gehört in dieselbe Familie. Sie ist der Wunsch nach einem guten Omen für eine große Entscheidung. Gestellt wird sie meistens dann, wenn ohnehin gerade viel offen ist: kurz nach der Verlobung, kurz vor der ersten Buchung, kurz nach dem ersten größeren Streit über die Gästeliste. Deshalb hilft es wenig, sie mit einem Sachargument zu beantworten. Wer wissen will, ob der zwölfte Juli ein guter Tag ist, hat selten ein Erkenntnisproblem.
Für Euch als Paar hat das eine praktische Seite. Wenn einer von Euch das Thema aufbringt, geht es fast nie um Astrologie an sich, sondern um eine der drei Fragen dahinter: Ist das der richtige Zeitpunkt? Ist das die richtige Person? Wird der Tag gut? Die ersten beiden gehören in ein Gespräch zu zweit, die dritte gehört in die Planung. Der Kalender beantwortet keine davon. Wer das erkennt, spart sich eine lange Diskussion über Planetenstände, die eigentlich eine kurze über etwas anderes wäre.
Wer nach dem günstigen Datum fragt, sucht selten eine Auskunft über den Kalender, sondern eine Bestätigung.
Was Astrologie über Hochzeitstermine sagt
Die Auswahl eines günstigen Zeitpunkts hat in der Astrologie einen eigenen Namen: Elektion. Wer damit arbeitet, sucht nicht das Sternzeichen des Paares heraus, sondern berechnet den Stand der Planeten für einen bestimmten Tag zu einer bestimmten Uhrzeit. Die Trauung bekommt in dieser Sichtweise ein eigenes Horoskop, so wie ein Mensch eines hat. Angeboten wird das als Dienstleistung; das Ergebnis ist üblicherweise eine Liste möglicher Tage samt Zeitfenster.
Zwei Motive tauchen dabei besonders häufig auf. Das erste ist die Venus: Ist sie rückläufig, raten astrologische Quellen weithin von Hochzeiten in dieser Zeit ab. Das zweite ist der Mond. Ein zunehmender Mond gilt im deutschsprachigen Volksglauben als günstig, weil wachsen soll, was an diesem Tag beginnt. Verwandt damit ist die alte Regel, das Jawort möglichst vor Mittag zu geben, solange die Sonne noch steigt. Ob Ihr dem etwas abgewinnt, ist Eure Sache; wir beschreiben hier, was es gibt, ohne eine Wirkung zu behaupten.
Praktisch verwertbar ist an dieser Stelle vor allem die Reihenfolge. Sie ist wichtiger, als sie klingt. Wenn Euch das Thema ernsthaft am Herzen liegt, klärt es, bevor Ihr Standesamt und Location anfragt. Ein Termin, der erst gebucht und dann bewertet wird, kann Euch nur noch verunsichern: Absagen kostet Geld, Ignorieren fühlt sich schlecht an.
Umgekehrt lässt sich eine Liste günstiger Tage problemlos als zusätzlicher Filter in die Suche legen, solange sie nicht der einzige ist. Ein astrologisch idealer Dienstag im Februar bleibt ein Dienstag im Februar, mit allem, was daran hängt. Wer diesen Filter zuerst anlegt statt zuletzt, hat am Ende oft nur noch Tage übrig, an denen niemand Zeit hat.
Datumsbräuche, die es tatsächlich gibt
Unabhängig davon, was jemand von Sternen hält, gibt es eine lange Reihe von Regeln darüber, wann geheiratet wird und wann nicht. Sie sind nachlesbar und teilweise zweitausend Jahre alt. Bis heute prägen sie, welche Wochenenden zuerst ausgebucht sind.
- Der Mai. Der bekannteste europäische Aberglaube stammt aus Rom. In den Mai fielen die Lemuria, das Fest für die Totengeister. Ovid hält in seinem Festkalender fest, das Volk sage, im Mai heirateten nur die schlechten Frauen. Der Satz hat zwei Jahrtausende überdauert, im englischen Sprachraum als Reim, im deutschen als Bauernregel. Heute ist der Mai einer der gefragtesten Hochzeitsmonate überhaupt — den Termin hat der Aberglaube nicht überlebt.
- Der Kirchenkalender. In vielen Bistümern und Landeskirchen wird in der Karwoche nicht getraut. Für Fastenzeit und Advent gilt vielerorts die Erwartung einer zurückhaltenden Feier. Das ist keine Glücksfrage, sondern eine der Terminvergabe: Ein Anruf im Pfarrbüro klärt sie.
- Der jüdische Kalender. Am Schabbat und an Feiertagen finden keine Trauungen statt. Dazu kommen Trauerzeiten, in denen nicht geheiratet wird: große Teile der Omer-Zählung zwischen Pessach und Schawuot sowie die drei Wochen vor Tischa beAv.
- Zahlen. In China gilt die Acht als Glückszahl und die Vier wird gemieden; den passenden Tag schlägt man traditionell im Almanach nach. In hinduistischen Familien legt ein Muhurta den Termin bis zur Uhrzeit fest, während bestimmte Perioden im Jahr ganz ausfallen.
- Schnapszahlen. Der moderne europäische Beitrag zum Thema. Daten wie der siebte Juli oder der zwölfte Dezember sind bei Standesämtern so gefragt, dass manche Ämter die Vergabe für solche Tage eigens regeln.
Der 29. Februar verdient eine eigene Zeile. Er existiert nur im Schaltjahr. Wer an ihm heiratet, feiert seinen Jahrestag entweder alle vier Jahre oder an einem Ersatztag. Das ist kein Aberglaube, sondern eine Rechenaufgabe — trotzdem wird dieser Punkt am häufigsten übersehen.
Daraus folgt eine unspektakuläre, aber brauchbare Regel: Bräuche machen keine Prognosen, sie machen Märkte. Was viele meiden, ist leichter zu bekommen. Was als Glückstag gilt, ist zuerst weg.
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Wenn der Kalender anderer Menschen mitredet
Zwischen einem persönlichen Aberglauben und einer religiösen Bindung liegt ein Unterschied, der in der Planung sofort praktisch wird. Ob Ihr auf den Mond achtet, betrifft nur Euch. Ob eine eingeladene Familie an einem bestimmten Tag nicht feiern darf, betrifft Eure Gästeliste. Nachträglich lässt sich das nicht reparieren.
Drei Konstellationen kommen regelmäßig vor. Gäste, die den Schabbat halten, können am Samstag bis zum Einbruch der Dunkelheit weder anreisen noch an einer Feier teilnehmen; ein Sonntagstermin oder ein deutlich späterer Beginn löst das. Muslimische Gäste, die im Ramadan fasten, essen tagsüber nichts. Der Monat verschiebt sich im gregorianischen Kalender jedes Jahr um etwa elf Tage nach vorn — schaut also ins Zieljahr, nicht ins laufende. In Familien mit hinduistischem oder chinesischem Hintergrund kann der Termin Gegenstand einer eigenen Beratung sein, über die Ihr Euch nicht ohne Ärger hinwegsetzt.
Der Umgang damit ist unaufgeregt. Fragt früh, fragt konkret und fragt die betroffene Person selbst statt den Familienzweig: „Gibt es in Eurem Kalender Zeiträume, in denen Ihr nicht feiern könnt?“ Diese eine Frage, gestellt bevor irgendetwas gebucht ist, erspart Euch später die Wahl zwischen dem Termin und den Menschen.
Ein Sonderfall ist die eigene Familie. Wenn Eltern oder Großeltern auf einem Datumsbrauch bestehen, hilft weder Widerlegen noch Nachgeben. Nehmt den Wunsch ernst, nennt Eure Kriterien und entscheidet trotzdem selbst. Ist die Bitte ohne Kosten erfüllbar, etwa ein Tag früher oder eine Stunde später, dann tut es und erwähnt es nie wieder. Sprengt sie den Termin, sagt Ihr einmal freundlich Nein, mit Begründung und ohne Debatte über die Begründung. Ein Datum, das aus Rücksicht gewählt wurde, wird später von niemandem als Rücksicht erinnert.
Woran ein Datum tatsächlich hängt
Wenn die symbolische Ebene abgeräumt ist, bleibt eine kurze Liste von Bedingungen übrig, die einen Termin tragen oder kippen. Sie ist wenig romantisch und in ihrer Wirkung unbestreitbar.
- Verfügbarkeit. Standesamt, Trauort und die ein bis zwei Gewerke, auf die Ihr nicht verzichten wollt, müssen am selben Tag frei sein. Dieser Punkt sortiert die meisten Wunschtermine aus, unabhängig davon, wie schön das Datum aussieht.
- Der Wochentag im Zieljahr. Ein Datum, das Euch etwas bedeutet, kann im gewünschten Jahr auf einen Mittwoch fallen. Das ist in zehn Sekunden geprüft und wird trotzdem regelmäßig zu spät bemerkt.
- Die Menschen, die kommen sollen. Schichtdienst, Prüfungen, Umzüge, Geburtstermine, eine anstehende Operation. Diese Auskünfte holt Ihr formlos ein, solange noch nichts feststeht — danach klingt dieselbe Frage wie eine Aufforderung.
- Die Jahreszeit. Sie bestimmt Licht, Kleidung, Wetterrisiko und den halben Ablauf. Nach der Buchung lässt sie sich als einziger Punkt dieser Liste überhaupt nicht mehr korrigieren.
Danach erst kommt die Bedeutung, die viele zuerst suchen. Ein Datum mit Geschichte, etwa der Tag des Kennenlernens oder der Hochzeitstag der Großeltern, trägt gut, solange es nicht gegen die vier Punkte darüber gestellt wird. Ein Datum ohne jede Vorgeschichte ist genauso in Ordnung: Es bekommt seine Bedeutung an genau diesem Tag; wenige Jahre später weiß niemand mehr, dass es vorher keine hatte.
Ein letzter Punkt steht selten in Listen. Prüft, ob der gewählte Tag in einer der beiden Familien bereits belegt ist, durch einen Todestag, eine Trennung, einen Unfall. Das ist die einzige Datumsfrage in diesem Text, bei der ein ungutes Gefühl ein guter Ratgeber ist. Hier geht es nicht um ein Omen, sondern um Menschen, die an diesem Tag jedes Jahr an etwas anderes denken.
Wenn Euch das Sternzeichen wichtig ist, holt Euch die Liste günstiger Tage, bevor Ihr irgendwo anfragt. Behandelt sie dann als einen Filter unter mehreren. Wenn es Euch nicht wichtig ist, erledigt sich der ganze Punkt an dem Abend, an dem Standesamt und Wunschort zum ersten Mal denselben Tag freihaben. Und falls einer von Euch daran glaubt und der andere nicht: Das ist kein Streit über Astrologie, sondern der übliche Fall, dass einem von zwei Menschen etwas mehr bedeutet als dem anderen. Dann gibt dieser Wunsch den Ausschlag.
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