Inhaltsverzeichnis
Die Suche nach dem Brautkleid wird einfacher, wenn vier Dinge vorher feststehen: das Hochzeitsdatum, der Ort der Feier, eine Obergrenze für das gesamte Outfit und die Frage, wer zu den Terminen mitkommt. Danach entscheidet Ihr in dieser Reihenfolge: erst den Bezugsweg, dann die Termine, dann das Kleid. Wer umgekehrt beginnt, verliebt sich in Kleider, die er nicht mehr rechtzeitig bekommt.
Dieser Beitrag beschreibt keine Schnitte und keine Stile. Davon gibt es genug Bilder, und sie helfen bei der einzigen Frage nicht weiter, an der die Suche wirklich hängt: Wie kommt Ihr von unbegrenzt vielen Möglichkeiten zu einer Entscheidung, die Ihr nicht bereut und die pünktlich im Schrank hängt. Es geht also um Reihenfolge, Termine und Abbruchkriterien.
Die Wege zum Kleid unterscheiden sich von Land zu Land und sogar von Stadt zu Stadt: Wo an einem Ort das Brautmodengeschäft mit Bestellkleidern der Normalfall ist, kauft man anderswo von der Stange oder lässt beim Schneider arbeiten. Prüft deshalb an jedem Punkt, welche Wege es bei Euch überhaupt gibt, statt eine Reihenfolge zu übernehmen. Der Ablauf unten funktioniert für alle Wege gleich, die Namen der Stationen ändern sich.
1. Was feststehen sollte, bevor Ihr das erste Kleid anprobiert
Vier Angaben entscheiden mit, welche Kleider überhaupt in Frage kommen. Wer sie mitbringt, spart sich Termine, die zu nichts führen.
| Das solltet Ihr wissen | Warum es vor die Anprobe gehört | Was ohne diese Angabe passiert |
|---|---|---|
| Das Hochzeitsdatum | Es bestimmt, welche Lieferzeiten Ihr Euch noch leisten könnt | Ihr entscheidet Euch für ein Kleid, das erst nach der Hochzeit ankommt |
| Ort und Art der Feier | Untergrund, Jahreszeit und Formalitätsgrad schließen Schnitte und Stoffe aus | Schleppe auf einer Wiese, schwerer Stoff im Hochsommer |
| Eine Obergrenze für das gesamte Outfit | Änderungen, Unterkleid, Schuhe und Schmuck kommen zum Kleidpreis dazu | Das Budget ist mit dem Kleid ausgeschöpft, bevor der Rest gekauft ist |
| Wer mitkommt | Jede zusätzliche Meinung verlängert die Entscheidung | Ihr entscheidet nach Mehrheit statt nach eigenem Urteil |
Die Obergrenze ist der Punkt, an dem die meisten Paare unsauber arbeiten. Setzt sie nicht auf das Kleid, sondern auf alles, was am Ende zusammen getragen wird. Als grobe Orientierung: Änderungen, Unterkleid und Schuhe machen zusammen häufig zwischen einem Zehntel und einem Drittel des Kleidpreises aus. Diese Spanne ist ein Erfahrungswert und keine Statistik, aber sie ist verlässlicher als die Annahme, dass mit dem Kauf alles bezahlt sei. Was eine Hochzeit insgesamt kostet und welchen Anteil das Outfit üblicherweise hat, rechnet unser Beitrag Was kostet eine Hochzeit durch.
Zur Begleitung: Zwei Personen sind gut, vier sind zu viele. Der Grund ist nicht Geschmack, sondern Statistik im Kleinen. Je mehr Meinungen im Raum sind, desto wahrscheinlicher findet sich zu jedem Kleid eine Gegenstimme, und am Ende bleibt das Kleid übrig, gegen das niemand etwas hatte. Das ist selten dasselbe wie das Kleid, das Ihr wolltet.
Das teuerste Kleid ist nicht das mit dem höchsten Preis, sondern das, dessen Liefertermin nicht mehr in Euren Kalender passt.
2. Sechs Wege zum Kleid und was sie an Zeit und Risiko kosten
Der Bezugsweg ist die eigentliche Entscheidung, weil er Vorlauf, Preisrahmen und Umtauschrechte gleichzeitig festlegt. Die Preisangaben sind bewusst relativ gehalten, weil sie sich von Markt zu Markt unterscheiden.
| Weg | Vorlauf bis zum Tragen | Änderungen | Preisbild | Wo das Risiko liegt |
|---|---|---|---|---|
| Bestellkleid im Brautmodengeschäft | etwa vier bis sieben Monate Lieferung plus Änderungen | fast immer nötig, meist im Haus | die Referenz, an der alles andere gemessen wird | Der Liefertermin liegt beim Hersteller, nicht beim Geschäft |
| Ausstellungsstück oder Musterkleid | sofort mitnehmbar | nötig, teils aufwendig | deutlich unter dem Neupreis desselben Modells | Es gibt genau eine Größe, und Gebrauchsspuren sind einkalkuliert |
| Konfektionskleid von der Stange | sofort bis wenige Wochen | meist Saum und Weite | breite Spanne, oft klar unter dem Bestellkleid | Passform ist Glückssache, Beratung fällt oft weg |
| Maßanfertigung im Atelier | etwa vier bis sechs Monate mit mehreren Anproben | im Prozess enthalten | meist am oberen Ende, weil Arbeitszeit statt Serie bezahlt wird | Ihr kauft eine Zeichnung, kein Kleid, das Ihr anprobiert habt |
| Secondhand | sofort | nötig, und niemand haftet für das Ergebnis | oft deutlich unter dem ursprünglichen Neupreis | Kein Umtausch, Zustand nur nach eigener Prüfung |
| Miete | Reservierung Monate vorher, Abholung kurz davor | nur begrenzt erlaubt | ein Bruchteil des Kaufpreises, dafür einmalig | Schäden und Flecken gehen zu Euren Lasten |
Zwei Wege werden regelmäßig unterschätzt. Das Ausstellungsstück ist der schnellste Weg zu einem Kleid, das sonst Monate braucht, und der einzige, bei dem Ihr genau das Kleid mitnehmt, das Ihr anprobiert habt. Und die Maßanfertigung ist nicht automatisch die teuerste Variante: Sie wird es erst, wenn Ihr aufwendige Stoffe und Handarbeit bestellt. Ein schlichtes Kleid aus einem guten Stoff, das genau passt, liegt oft im selben Rahmen wie ein Bestellkleid mit Änderungen.
Klärt in allen sechs Fällen dieselben drei Punkte, bevor Geld fließt: Was genau ist im Preis enthalten, bis wann könnt Ihr ohne Kosten aussteigen, und was passiert, wenn der vereinbarte Termin nicht gehalten wird. Die Antworten unterscheiden sich stark, und sie stehen selten von allein auf dem Tisch.
3. Wie viele Termine Ihr braucht und wie Ihr sie legt
Die Suche kippt nicht an zu wenigen, sondern an zu vielen Anproben. Nach dem zwölften Kleid verschwimmen die ersten, und die Entscheidung wird nicht besser, sondern nur später getroffen.
- Zwei bis drei Geschäfte reichen. Ein viertes bringt fast nie ein anderes Ergebnis, kostet aber einen weiteren Samstag.
- Höchstens zwei Termine an einem Tag. Anproben sind körperlich anstrengend, und der zweite Nachmittagstermin bekommt regelmäßig eine unfaire Bewertung.
- Fünf bis acht Kleider je Termin. Mehr passt in eineinhalb Stunden nicht, und mehr behaltet Ihr auch nicht.
- Der erste Termin ist ein Sortiertermin. Dort findet Ihr heraus, welche Formen an Euch funktionieren. Kauft dort nur, wenn Ihr wirklich sicher seid.
- Legt die Termine nicht zu früh. Wer achtzehn Monate vorher anfängt, probiert Kollektionen, die es zur Hochzeit nicht mehr gibt.
Vereinbart die Termine telefonisch und nennt dabei Hochzeitsdatum, Preisrahmen und die Zahl der Begleitpersonen. Manche Geschäfte arbeiten nur mit Terminen, andere begrenzen die Zahl der Gäste, und viele führen Musterkleider nur in einer oder zwei Größen. Das im Vorfeld zu klären, ist keine Formalität: Es entscheidet darüber, ob Ihr die Kleider überhaupt anziehen könnt, die Ihr sehen wollt. Wie Ihr einen einzelnen Termin so vorbereitet, dass er etwas bringt, steht in einem eigenen Beitrag zur Vorbereitung der Anprobe.
Plant zwischen den Terminen mindestens eine Nacht Abstand ein. Was am Abend nach der Anprobe noch überzeugend wirkt, sieht am nächsten Morgen auf dem Foto oft anders aus, und genau dieser Abstand ist das billigste Prüfmittel, das Ihr habt.
Weitere interessante Artikel
4. Woran Ihr entscheidet, wenn alle Kleider schön sind
Am Ende stehen meist zwei oder drei Kleider zur Wahl, die alle gut aussehen. Ab hier hilft kein weiteres Anprobieren, sondern eine Liste von Kriterien, die Ihr vorher aufschreibt und hinterher abhakt.
- Es hält ohne Hände. Hebt die Arme, dreht Euch, geht ein paar Schritte. Was gezupft werden muss, muss den ganzen Tag gezupft werden.
- Ihr könnt darin sitzen, essen und tanzen. Setzt Euch im Laden hin, auch wenn es ungewohnt ist. Ein Kleid, das nur im Stehen funktioniert, kostet Euch die Feier.
- Es passt zum Ort und zur Jahreszeit. Untergrund, Temperatur und Wege sind Teil des Kleides, nicht Zubehör.
- Die Gesamtkosten stehen fest. Lasst Euch Änderungen, Unterkleid und Zubehör schriftlich schätzen, bevor Ihr zusagt.
- Der Liefertermin liegt sicher vor Eurem Datum. Mit mindestens sechs Wochen Abstand für Änderungen und einer Reserve für Verzögerungen.
- Es überlebt vierundzwanzig Stunden. Schaut Euch die Fotos am nächsten Tag noch einmal an. Was dann noch trägt, trägt auch in zehn Jahren.
Ebenso wichtig ist eine Abbruchregel, die Ihr vorher festlegt: Wenn nach drei Terminen kein Kleid dabei war, liegt es meist nicht an der Auswahl, sondern an einer Vorgabe, die zu eng ist. Meist ist es das Budget, manchmal die Vorstellung von einer Form, die an Euch nicht funktioniert. Ändert dann eine Vorgabe bewusst, statt einen vierten Termin zu buchen.
Wenn Ihr die geschätzten Änderungskosten in Euer Gesamtbudget übertragen wollt, ohne eine zweite Tabelle zu pflegen, hilft unser Budgetrechner: Das Outfit ist dort ein eigener Posten, und Ihr seht sofort, was eine Erhöhung an anderer Stelle kostet.
5. Was ein Ja auslöst
Die Zusage im Geschäft ist kein Kaufabschluss im Alltagssinn, sondern der Start eines Terminplans. Sechs Dinge passieren danach, und alle sechs gehören in Euren Kalender.
- Maß nehmen und Größe bestellen. Bestellt wird die nächstgrößere Konfektionsgröße, die anschließend enger gearbeitet wird. Größer zu bestellen ist Standard und kein Fehler.
- Anzahlung. Üblich ist ein Teilbetrag bei Bestellung. Lasst Euch schriftlich geben, wie hoch der Restbetrag ist und wann er fällig wird.
- Liefertermin schriftlich. Nicht der Monat, sondern ein Datum, und dazu die Antwort auf die Frage, was passiert, wenn es überschritten wird.
- Änderungstermine. Rechnet mit zwei bis drei Terminen über mehrere Wochen. Der letzte liegt idealerweise etwa zwei Wochen vor der Hochzeit.
- Schuhe und Unterkleid vor dem ersten Änderungstermin. Ohne sie kann niemand den Saum festlegen, und ein zweiter Saum kostet doppelt.
- Abholung und Aufbewahrung. Klärt, wo das Kleid bis zur Hochzeit hängt und wer es am Morgen dorthin bringt, wo Ihr Euch fertig macht.
Bevor Ihr unterschreibt, stellt eine Frage, die selten gestellt wird: Unter welchen Bedingungen könnt Ihr vom Vertrag zurücktreten, und was kostet das. Die Antwort hängt davon ab, in welchem Land und in welcher Form Ihr kauft. In Deutschland gilt beim Kauf im Ladengeschäft kein gesetzliches Widerrufsrecht, im Fernabsatz dagegen schon, und bei einem individuell angefertigten Kleid greift auch das nur eingeschränkt. Fragt also nach der konkreten Regelung, statt sie aus dem Onlinehandel zu übertragen.
Sobald der Liefertermin steht, gehört er in denselben Kalender wie Frisur und Make-up: Wer sich stylen lässt, braucht das Kleid nicht nur rechtzeitig, sondern auch für das Probestyling. Welche Entscheidungen dort anstehen, steht in unserem Beitrag zu Brautfrisur und Make-up. Und wenn Ihr einen Überblick über alle Outfitfragen sucht, also Anzug, Accessoires und Abstimmung untereinander, gibt ihn unser Beitrag zu Outfit und Styling.
Die Kleidersuche ist kein Geschmacksproblem, sondern ein Reihenfolgeproblem. Wer Datum, Ort, Obergrenze und Begleitung vorher klärt und danach zuerst den Bezugsweg wählt, probiert nur noch Kleider an, die er auch bekommen kann. Alles Weitere ist eine Liste mit sechs Kriterien und die Bereitschaft, sie ernst zu nehmen, wenn zwei Kleider gleich schön sind.
Der nächste sinnvolle Schritt ist ein Blick in den Kalender: Rechnet vom Hochzeitsdatum zurück, wie viel Zeit für Lieferung und Änderungen bleibt. Diese Zahl entscheidet, welche der sechs Wege für Euch überhaupt noch offenstehen.
Plant Ihr Eure Traumhochzeit?
Erstellt Eure eigene Hochzeitswebsite in wenigen Minuten – mit RSVP-Funktion, Fotogalerie und mehr.