Gnadenhochzeit: 70 Jahre verheiratet – Bedeutung, Glückwünsche, Feier

Gnadenhochzeit: 70 Jahre verheiratet – Bedeutung, Glückwünsche, Feier

9 Min. Lesezeit

Die Gnadenhochzeit ist der 70. Hochzeitstag. Der Name drückt aus, dass sieben gemeinsame Jahrzehnte nicht selbstverständlich sind, sondern ein Geschenk. Zu diesem Jubiläum gratuliert der Bundespräsident schriftlich, je nach Bundesland auch der Ministerpräsident oder die Stadt. Angestoßen wird das in der Regel über die Gemeinde, manchmal nur auf Antrag.

Plant Ihr Eure Traumhochzeit?

Erstellt Eure eigene Hochzeitswebsite in wenigen Minuten – mit RSVP-Funktion, Fotogalerie und mehr.

Hochzeitshomepage erstellen

Wer siebzig Jahre verheiratet ist, hat meist die neunzig überschritten. Die Kinder sind dann um die siebzig. Oft übernehmen längst die Enkel einen Teil der Organisation. Ganz so selten, wie der Name vermuten lässt, ist das Jubiläum allerdings nicht mehr. Der Bundespräsident verzeichnet für das Jahr 2025 insgesamt 29.635 Glückwünsche zu Ehejubiläen, gezählt werden dabei der 65., 70., 75. und 80. Hochzeitstag zusammen. Im Jahr 2013 waren es noch 10.826.

Dieser Text erklärt, woher der Name kommt und welche Variante kursiert. Er zeigt, wie die amtlichen Glückwünsche zustande kommen und wo die Länder sich unterscheiden. Außerdem beschreibt er, wie ein Nachmittag im Tempo eines hochbetagten Paares aussehen kann. Dazu bietet er eigene Glückwunschtexte, Geschenkideen und Antworten auf die Sonderfälle. Alle anderen Jubiläen stehen in der Übersicht der Hochzeitstage.

1. Was der Name Gnadenhochzeit bedeutet

Gnade ist ursprünglich ein religiöser Begriff: ein Geschenk, das man nicht erarbeiten kann. Auf eine Ehe von siebzig Jahren übertragen heißt das, dass zu diesem Tag mehr gehört als Treue und Geduld. Beide mussten gesund genug bleiben, alt genug werden und einander nicht verlieren – vieles davon liegt nicht in der eigenen Hand. Auch wer nicht religiös ist, versteht den Namen: Dieser Tag ist Glück, keine Leistung.

Im deutschen Sprachraum ist Gnadenhochzeit der übliche Name für das 70. Jahr. Manche Ratgeber nennen es auch Platinhochzeit, eine Übernahme aus dem Englischen, wo der 70. Hochzeitstag platinum anniversary heißt. Als Königin Elisabeth II. und Prinz Philip im November 2017 als erstes britisches Königspaar diesen Jahrestag erreichten, wurde er in Großbritannien als Platin-Jubiläum begangen, unter anderem mit einer eigenen Gedenkmünze. Weil viele deutsche Listen die Platinhochzeit dagegen beim 55. Jahr führen, ist der Name missverständlich; wer sichergehen will, schreibt Gnadenhochzeit oder einfach „70. Hochzeitstag“.

In der Reihe der späten Jubiläen folgt die Gnadenhochzeit auf die Steinerne Hochzeit nach 67,5 Jahren. Danach kommt nur noch die Kronjuwelenhochzeit nach 75 Jahren, die nur wenige Paare erleben.

Siebzig Jahre kann man sich nicht verdienen, nur miteinander verbringen. Deshalb heißt dieser Tag Gnade.

2. Glückwünsche vom Bundespräsidenten, vom Land und von der Stadt

Der Bundespräsident gratuliert Ehepaaren zum 65., 70., 75. und 80. Hochzeitstag mit einem Schreiben. Man schreibt dafür nicht selbst nach Berlin: Die Städte und Gemeinden melden die Jubiläen an das Bundesverwaltungsamt, das sie für den Bundespräsidenten bearbeitet. Wie die Gemeinde von dem Termin erfährt, regelt jedes Land anders – mal ganz automatisch, mal nur auf Antrag. Einige Beispiele aus den offiziellen Landes- und Stadtportalen:

LandWer zur Gnadenhochzeit gratuliertWie es ausgelöst wird
BayernMinisterpräsident, außerdem der BundespräsidentDas Schreiben des Ministerpräsidenten kommt ohne Antrag, Voraussetzung ist der ständige Wohnsitz in Bayern. Er gratuliert ab dem 50. zu jedem runden und halbrunden Hochzeitstag.
Baden-WürttembergMinisterpräsident mit einer Glückwunschurkunde, außerdem der BundespräsidentDas Bürgermeisteramt beantragt die Urkunde beim Staatsministerium, frühestens sechs Wochen vor dem Termin.
BerlinRegierender Bürgermeister und BundespräsidentDas Jubiläum wird dem Amt für Soziales des Wohnbezirks gemeldet, auch durch Angehörige; Unterlagen sind nicht nötig.
HamburgErster Bürgermeister und BundespräsidentDie zuständigen Stellen ermitteln Jubiläen in der Regel selbst und melden sich beim Paar.
Nordrhein-Westfalen, Beispiel EssenOberbürgermeister, ab der Eisernen Hochzeit auch Ministerpräsident und BundespräsidentNur auf Antrag, mit Stammbuch oder Heiratsurkunde, spätestens vier Wochen vorher im Bürgeramt oder Standesamt.

Für alle anderen Länder und Gemeinden gilt: Rechtzeitig nachfragen ist der sichere Weg. Rund sechs Wochen vor dem Termin genügt ein Anruf im Bürgerbüro mit vier Fragen: Ist das Hochzeitsdatum dort bekannt? Braucht es einen Antrag – wenn ja, mit welchen Unterlagen? Kommt jemand persönlich vorbei? Und lässt sich die Uhrzeit mit der Familie abstimmen? Besonders wichtig ist die Nachfrage, wenn das Paar im Ausland geheiratet hat oder in ein Pflegeheim in einer anderen Gemeinde umgezogen ist – dann ist nicht sicher, dass das Datum am neuen Wohnort vorliegt.

Wer keinen Besuch möchte, kann das bei dieser Gelegenheit sagen. Und wer nicht mit Namen in der Zeitung stehen will: Das Bundesmeldegesetz erlaubt den Meldebehörden, der Presse und Mandatsträgern Ehejubiläen ab dem 50. Hochzeitstag mitzuteilen. Dagegen kann man bei der Meldebehörde kostenlos Widerspruch einlegen.

2. Glückwünsche vom Bundespräsidenten, vom Land und von der Stadt — Gnadenhochzeit: 70 Jahre verheiratet – Bedeutung, Glückwünsche, Feier

3. Die Feier: ein Nachmittag im Tempo des Paares

Ein Paar von über neunzig Jahren feiert nicht bis Mitternacht. Gut funktioniert ein Nachmittag mit klarer Dramaturgie, der rechtzeitig endet – lieber eine Stunde zu früh als eine zu spät. Ein möglicher Ablauf, der sich an jede Tagesform anpassen lässt:

  1. 14.30 Uhr: Die engste Familie kommt an, das Paar hat die Mittagsruhe hinter sich. Noch keine Reden, erst einmal ankommen.
  2. 15.00 Uhr: eine kurze Andacht oder ein Segen, zwanzig Minuten reichen. Viele Pfarreien und Gemeinden gestalten das auf Anfrage; die Bremische Evangelische Kirche etwa weist darauf hin, dass bei gesundheitlichen Einschränkungen auch eine Hausandacht im Familienkreis möglich ist und dass ein Segen selbst dann gespendet werden kann, wenn das Paar damals nur standesamtlich geheiratet hat.
  3. 15.20 Uhr: das Familienfoto, solange alle frisch sind.
  4. 15.30 Uhr: Kaffee und Kuchen. Die Jubilare bleiben sitzen, die Gäste kommen zu ihnen, nicht umgekehrt.
  5. 16.15 Uhr: falls verabredet, der Besuch aus dem Rathaus mit den Glückwunschschreiben. Wer diesen Termin mit der Gemeinde abspricht, vermeidet, dass er mitten in die Andacht oder in die Mittagsruhe fällt.
  6. 17.00 Uhr: Die Gäste verabschieden sich, bevor das Paar müde wird. Ein Teller Kuchen und die Karten bleiben für den Abend.

Die Organisation liegt meist bei den Kindern, die selbst schon um die siebzig sein können. Es hilft, die Aufgaben auf die Generation darunter zu verteilen: Ein Enkel kümmert sich um die Einladungen und die Absprache mit dem Rathaus, einer um Kuchen und Geschirr, einer um den Fahrdienst für die Gäste, die nicht mehr selbst fahren.

Lebt das Paar im Pflegeheim, gilt derselbe Ablauf in kleinerer Form, abgestimmt mit der Pflege. Worauf man dort im Einzelnen achtet – Raum, Essenszeiten, Medikamente –, beschreibt der Beitrag zur Steinernen Hochzeit ausführlich.

4. Glückwünsche zur Gnadenhochzeit

Wer zur Gnadenhochzeit schreibt, braucht keine großen Worte. Dankbarkeit, Respekt und ein konkreter Wunsch für die nächste Zeit genügen. Wie eine Karte aufgebaut wird, steht unter Was schreibt man in eine Hochzeitskarte. Die folgenden Texte sind eigene Vorschläge:

  • Von den Kindern: „Liebe Eltern, siebzig Jahre habt Ihr einander die Treue gehalten, durch alles, was diese Zeit gebracht hat. Wir sind stolz, Eure Kinder zu sein, und dankbar für jeden Tag, den wir noch mit Euch haben.“
  • Von den Enkeln: „Liebe Oma, lieber Opa, wenn wir wissen wollen, wie Liebe aussieht, die hält, müssen wir nicht lange suchen. Alles Liebe zu Eurer Gnadenhochzeit!“
  • Von den Urenkeln, gemalt und diktiert: „Ihr seid schon siebzig Jahre verheiratet. Das ist länger als alle anderen. Wir haben Euch lieb!“
  • Aus der Kirchengemeinde oder Nachbarschaft, förmlich: „Zur Gnadenhochzeit gratulieren wir Ihnen von Herzen. Siebzig gemeinsame Jahre sind ein Geschenk, an dem wir uns mitfreuen dürfen. Wir wünschen Ihnen Gottes Segen und viele friedliche Tage.“
  • Ohne religiösen Bezug, förmlich: „Siebzig Jahre Seite an Seite – dafür gibt es kein passendes Wort, nur Hochachtung. Alles Gute Ihnen beiden.“
  • Als Anzeige in der Tageszeitung: „Zur Gnadenhochzeit gratulieren von Herzen und in großer Dankbarkeit Eure Kinder, Enkel und Urenkel.“
  • Vom einen Partner an den anderen, etwa vorgelesen von einem Enkel: „Siebzig Jahre, und ich halte immer noch am liebsten deine Hand. Danke, dass du geblieben bist.“

Karten für Jubilare dieses Alters schreibt man groß und liest sie am besten vor. Weitere Vorlagen für Jahrestage stehen in der Sammlung Glückwünsche zum Hochzeitstag.

4. Glückwünsche zur Gnadenhochzeit — Gnadenhochzeit: 70 Jahre verheiratet – Bedeutung, Glückwünsche, Feier

5. Geschenke und Sonderfälle

Geschenke, die zu siebzig Jahren passen

Nach sieben Jahrzehnten fehlt im Haushalt nichts. Oft ist er schon verkleinert. Gute Geschenke zeigen, was aus diesen Jahren geworden ist:

  • Bis etwa 30 Euro: ein Strauß weißer Rosen, eine Kerze mit Namen und Datum, ein Kuchen nach dem alten Familienrezept.
  • Etwa 30 bis 150 Euro: ein Stammbaum aller Nachkommen als großer, gut lesbarer Druck – bei Paaren mit Urenkeln ein erstaunliches Bild; ein Fotokalender für das kommende Jahr mit großen Familienbildern, der jeden Tag benutzt wird.
  • Gemeinsam von der Familie: ein ruhiges Porträt des Paares von einem Fotografen, der ins Haus kommt, oder ein begleitetes Mittagessen im früheren Lieblingslokal mit Fahrdienst.

Sonderfälle

  • Nur einer der beiden lebt noch. Die amtlichen Glückwünsche gelten Ehepaaren, eine Gnadenhochzeit im eigentlichen Sinn gibt es dann nicht. Für den verwitweten Partner bleibt das Datum trotzdem bedeutsam: Ein Besuch, ein Anruf oder das gemeinsame Anschauen alter Fotos ist an diesem Tag eine Geste, die ankommt.
  • Das Paar möchte keinen Rummel. Wer keinen Besuch aus dem Rathaus wünscht, sagt das bei der Nachfrage. Die Familie beschränkt den Tag dann auf einen Besuch. Das ist kein Verzicht, sondern Rücksicht.
  • Die Gesundheit spielt nicht mit. Die Feier lässt sich verschieben oder auf eine halbe Stunde am Bett verkürzen. Die Glückwunschschreiben behalten ihren Wert auch eine Woche später.
  • Die Familie ist zerstritten. Ein Jubiläum ist nicht der Tag, um das zu lösen. Getrennte Besuchszeiten am selben Tag ersparen dem Paar Spannungen, die es nicht mehr braucht.

Wer schon zur Eisernen Hochzeit amtliche Glückwünsche organisiert hat, kennt den Weg bereits und weiß, an welche Stelle im Rathaus man sich wendet.

Die Gnadenhochzeit ist der 70. Hochzeitstag. Ihr Name sagt, was sie ist: ein Geschenk, das sich niemand verdienen kann. Zu diesem Jubiläum gratuliert der Bundespräsident, je nach Land auch der Ministerpräsident oder das Stadtoberhaupt – ausgelöst über die Gemeinde, teils automatisch, teils nur auf Antrag. Wer rund sechs Wochen vorher im Bürgerbüro nachfragt, ist auf der sicheren Seite. Gefeiert wird an einem Nachmittag, im Tempo des Paares. Alles darüber hinaus ist Zugabe.

Rund um die Hochzeit

Plant Ihr Eure Traumhochzeit?

Erstellt Eure eigene Hochzeitswebsite in wenigen Minuten – mit RSVP-Funktion, Fotogalerie und mehr.