Wie viele Getränke brauchen wir pro Gast?

Wie viele Getränke brauchen wir pro Gast?

8 Min. Lesezeit

Rechnet für einen Abend von etwa sechs Stunden pro Gast mit 1,0 bis 1,5 Litern Wasser, 0,5 bis 1,0 Litern Softdrinks, zwei Gläsern Sekt zum Empfang sowie ein bis zwei Tassen Kaffee. Alkohol trinken erfahrungsgemäß rund 60 Prozent Eurer Gäste, davon je zur Hälfte Wein und Bier.

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Getränkemengen sind der einzige Posten der Hochzeitsplanung, den Ihr vollständig durchrechnen könnt. Es gibt keine Geschmacksfrage, keine Stilfrage, nur Liter pro Gast, Flaschengrößen sowie einen Puffer. Trotzdem gehen die meisten Paare mit einem Gefühl in den Getränkemarkt und kommen mit einem Kofferraum voll Sekt zurück, den im Sommer niemand trinkt.

Die eigentliche Entscheidung dahinter lautet: Kauft Ihr selbst ein oder überlasst Ihr das dem Haus? Beide Wege sind vertretbar. Nur muss Euch im ersten Fall klar sein, dass Ihr damit Einkauf, Kühlung, Transport, Gläser sowie die Rückgabe übernehmt. Die Rechnung unten gilt für beide Wege, denn auch das Angebot des Caterers, den Ihr nach klaren Kriterien auswählt, wird erst prüfbar, wenn Ihr die Menge selbst kennt.

1. Die Grundrechnung: Liter pro Gast

Alle folgenden Werte beziehen sich auf einen Abend von etwa sechs Stunden, gerechnet vom Empfang bis zum späten Teil der Feier. Wird länger gefeiert, steigen vor allem Wasser und Bier; wird früher Schluss gemacht, sinkt alles gleichmäßig.

Wasser ist der am häufigsten unterschätzte Posten: 1,0 bis 1,5 Liter pro Gast. Das klingt viel, gilt aber unabhängig davon, ob jemand Alkohol trinkt. Bei Hitze oder viel Tanz liegt Ihr eher am oberen Rand. Softdrinks und Säfte kommen mit 0,5 bis 1,0 Litern pro Gast dazu, Kaffee mit ein bis zwei Tassen. Für den Empfang rechnet Ihr zwei Gläser Sekt à 0,1 Liter pro Gast; eine 0,75-Liter-Flasche ergibt sauber eingeschenkt sechs bis sieben Gläser.

Beim Alkohol rechnet Ihr nicht über alle Gäste, sondern über die, die tatsächlich trinken. Die Faustregel: Etwa 60 Prozent Eurer Gesellschaft trinkt Alkohol, davon ungefähr die Hälfte Wein sowie die Hälfte Bier. Wer Wein trinkt, kommt auf 0,4 bis 0,5 Liter über den Abend. Wer Bier trinkt, kommt auf 0,7 bis 1,0 Liter. Kinder, Schwangere, Autofahrer sowie alle, die einfach kein Bier mögen, fallen aus dieser Rechnung heraus. Genau deshalb geht die Rechnung über alle Gäste regelmäßig schief.

Ein Beispiel macht den Unterschied deutlich. Bei 80 Gästen rechnet Ihr nicht 80 mal 0,5 Liter Wein, sondern 24 mal. Aus 40 Litern werden so 12; aus 53 Flaschen werden 16. Wer diesen Schritt überspringt, kauft mehr als die dreifache Menge Wein ein sowie meist deutlich zu wenig Wasser.

Wer die Menge nicht kennt, kann auch das Angebot des Caterers nicht prüfen. Getränke sind der Posten, bei dem Nachrechnen sich sofort auszahlt.

2. Von Litern zu Flaschen: 80 und 120 Gäste

Im Getränkemarkt kauft Ihr keine Liter, sondern Kästen. Die Umrechnung ist der Schritt, an dem die meisten Listen ungenau werden. Ein Kasten Wasser mit zwölf Flaschen à 0,75 Liter fasst neun Liter. Ein Kasten Bier mit zwanzig Flaschen à 0,5 Liter fasst zehn Liter. Wein und Sekt kommen in 0,75-Liter-Flaschen. Mehr müsst Ihr nicht wissen.

GetränkMenge pro GastBei 80 Gästen
Wasser1,0 bis 1,5 l80 bis 120 l, also 9 bis 14 Kästen
Softdrinks und Saft0,5 bis 1,0 l40 bis 80 l
Sekt zum Empfang2 Gläser à 0,1 l160 Gläser, also 23 bis 27 Flaschen
Wein0,4 bis 0,5 l je Weintrinkerbei 24 Weintrinkern 13 bis 16 Flaschen
Bier0,7 bis 1,0 l je Biertrinkerbei 24 Biertrinkern 2 Kästen
Kaffee1 bis 2 Tassen80 bis 160 Tassen
Eiswürfel im Sommer0,5 bis 1 kg40 bis 80 kg

Für 120 Gäste multipliziert Ihr dieselben Werte: 120 bis 180 Liter Wasser, also 14 bis 20 Kästen. 60 bis 120 Liter Softdrinks. 240 Gläser Sekt, das sind 35 bis 40 Flaschen. Alkohol trinken hier rund 72 Gäste, also 36 Weintrinker mit 19 bis 24 Flaschen sowie 36 Biertrinker mit 25 bis 36 Litern, das entspricht drei bis vier Kästen à 0,5 Liter. Kaffee: 120 bis 240 Tassen. Eis im Sommer: 60 bis 120 Kilogramm. Notiert die Zahlen als Einkaufszettel in Gebinden, nicht in Litern. Im Markt hilft Euch die Angabe „14 Kästen Wasser“ weiter, die Angabe „126 Liter“ nicht.

2. Von Litern zu Flaschen: 80 und 120 Gäste — Wie viele Getränke brauchen wir pro Gast?

3. Puffer, Jahreszeit und die Gäste, die Ihr kennt

Die Tabelle ist der Ausgangspunkt, nicht das Ergebnis. Drei Faktoren verschieben sie deutlich. Der erste ist das Wetter: An einem Abend über 28 Grad verdoppelt sich der Wasserbedarf leicht, während Rotwein fast stehen bleibt. Der zweite ist die Altersstruktur. Eine Gesellschaft mit vielen Gästen unter dreißig trinkt mehr Bier sowie mehr Longdrinks, eine ältere Runde mehr Wein und deutlich mehr Kaffee. Der dritte ist die Region: In Bayern verschiebt sich das Verhältnis zugunsten des Biers, an der Mosel zugunsten des Weins.

Beim Puffer gilt eine einfache Faustregel: 10 Prozent auf alles, was Ihr zurückgeben könnt. Auf alles andere gar keinen. Ungeöffnete Kästen Wasser, Bier sowie ganze Flaschen Wein nehmen die meisten Getränkemärkte auf Kommission zurück. Angebrochene Ware, geöffnete Fässer sowie fertig gemischte Bowlen nicht. Kauft also lieber beim Wasser reichlich ein, beim Sekt knapp.

Was Ihr nicht schätzen müsst, könnt Ihr fragen. Ob jemand alkoholfrei bleibt, ob drei Gäste glutenfreies Bier brauchen oder wie viele Kinder Apfelschorle statt Cola trinken, lässt sich mit der Zusage abfragen. Ein Feld dafür in Eurer Hochzeitswebsite, über die Ihr die Rückmeldungen zu Getränkewünschen einsammelt, ersetzt eine ganze Runde Telefonate und macht aus einer Schätzung eine Liste. Fragt früh genug, damit die Antworten vor dem Einkauf vorliegen. Zwei Wochen vor dem Termin ist zu spät, wenn Ihr noch alkoholfreies Bier oder eine zweite Saftsorte bestellen wollt.

4. Eis, Gläser und Kühlung

Eis ist der Posten, der am häufigsten vergessen wird. An einem Sommerabend rechnet Ihr 0,5 bis 1 Kilogramm pro Gast, also 40 bis 80 Kilogramm bei 80 Gästen. Das ist kein Tippfehler: Ein guter Teil davon kühlt Flaschen, nicht Getränke im Glas. Eiswürfel in Beuteln bekommt Ihr im Getränkemarkt oder beim Caterer, meist in Zehn-Kilo-Gebinden. Ihr braucht außerdem eine Wanne, in der das Eis stehen darf, sowie einen Abfluss, denn achtzig Kilo Eis werden achtzig Liter Wasser.

Gläser rechnen Verleiher je Sorte, nicht je Gast. Als Ausgangswert nehmt Ihr 1,5 bis 2 Gläser pro Gast und Sorte, weil Gäste Gläser stehen lassen, verwechseln oder auf dem Weg zur Tanzfläche abstellen. Bei 80 Gästen sind das grob 120 bis 160 Wassergläser, ebenso viele Weingläser sowie 100 bis 130 Sektgläser. Prüft im Mietvertrag, ob die Gläser gespült zurückgehen müssen oder ob eine Spülpauschale eingerechnet ist.

Kühlung ist eine Zeitfrage. Ein Kasten Wasser bei Raumtemperatur braucht im Kühlschrank mehrere Stunden. In einer Wanne mit Eis, Wasser sowie einer Handvoll Salz ist eine Flasche in zwanzig bis dreißig Minuten trinkfertig, weil Eiswasser die Wärme deutlich schneller abführt als kalte Luft. Klärt vorab, wie viel Kühlraum die Location hat. Fehlt er, braucht Wannen, Eis in doppelter Menge sowie jemanden, der am Abend nachlegt. Kühlt außerdem nicht alles auf einmal. Ein Drittel des Wassers kalt zu haben reicht für den Anfang; der Rest wandert nach zwei Stunden nach.

4. Eis, Gläser und Kühlung — Wie viele Getränke brauchen wir pro Gast?

5. Selbst anliefern: Korkgeld, Pfand und Rückgabe

Viele Locations lassen Euch eigene Getränke mitbringen, verlangen dafür aber ein Korkgeld, also eine Gebühr je geöffneter Flasche. Die Höhe unterscheidet sich stark von Haus zu Haus; sie steht im Vertrag, nicht im Preisblatt. Rechnet sie unbedingt gegen den Einkaufsvorteil. Bei Wein aus dem mittleren Preissegment kann ein Korkgeld den gesamten Vorteil der Selbstanlieferung aufzehren. Fragt außerdem, ob es nur für Wein und Sekt gilt oder auch für Bier sowie alkoholfreie Getränke.

Pfand rechnet Ihr getrennt vom Warenwert. In Deutschland liegt das Einwegpfand bei 0,25 Euro je Flasche oder Dose. Mehrweg-Glasflaschen kosten je nach Sorte 0,08 bis 0,15 Euro, ein Kasten zusätzlich 1,50 Euro. Bei 14 Kästen Wasser sowie 4 Kästen Bier stehen so schnell über hundert Euro Pfand auf dem Beleg, die Ihr erst nach der Hochzeit zurückbekommt. Hebt den Kassenbon auf, denn ohne ihn diskutiert Ihr am Montag über den Kastenpreis.

Die Rückgabe plant Ihr am besten, bevor Ihr einkauft. Vereinbart mit dem Getränkemarkt schriftlich, dass ungeöffnete Kästen sowie unversehrte Weinflaschen zurückgenommen werden. Viele Händler machen das anstandslos, einige nur innerhalb weniger Tage, manche nur bei Ware, die noch das Etikett des eigenen Hauses trägt. Legt fest, wer die Rückgabe übernimmt. Das Brautpaar sitzt am Montag nach der Hochzeit selten im Auto zum Getränkemarkt. Ein Trauzeuge mit Kombi sowie ein fester Termin am Dienstagvormittag lösen das Problem in zwanzig Minuten. Notiert beim Einkauf, wie viele Kästen Ihr geladen habt, sonst rechnet niemand nach.

Die Getränkeplanung besteht aus drei Schritten: Liter pro Gast ansetzen, den Alkohol nur über die rund 60 Prozent rechnen, die ihn trinken, danach in Flaschen und Kästen umrechnen. Für 80 Gäste sind das grob 80 bis 120 Liter Wasser, 23 bis 27 Flaschen Sekt, 13 bis 16 Flaschen Wein sowie zwei Kästen Bier; für 120 Gäste jeweils die Hälfte mehr. Eis, Gläser sowie Kühlung gehören auf dieselbe Liste, weil sie sonst am Vortag improvisiert werden. Legt diese Liste jetzt an und holt damit ein Angebot des Hauses ein, das Ihr Zeile für Zeile vergleichen könnt.

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